Teegeschirr

In der Chinesischen Teekunst sagt man: Wasser ist die Mutter des Tees und das Geschirr ist der Vater. Wegen der Änderung der Tee-Formen mussten auch die Teegeräte und die Zubereitung sich verändern. Was es heute gibt, ist das Ergebnis einer mehr als 600 Jahre währenden Entwicklung. Wir haben heute drei besondere Typen: Gai Wan-Porzellan, Yixing-Teegeschirr aus purpurrotem, sandigem Ton (Yixing Zishahu) und Glas.

Gai Wan-Porzellan, das sich seit der Ming-Dynastie bewährt hat, erlebt heute eine neue Hochblüte der Herstellung. Es weist neben der besseren Qualität auch eine grössere Formenvielfalt auf.

Gai Wan besteht aus Deckelchen, Teeschale und Untersetzer, das bedeutet „Himmel, Menschen und Erde“, die „Einheit zwischen Natur und Menschen“, der Kern der daoistischen Philosophie. Und sie ist auch sehr praktisch. Mit dem Deckelchen bleibt der Tee länger warm. Außerdem dient das Deckelchen dazu, die schwimmenden Teeblätter wegzuschieben und beim Trinken vor anderen Gästen den Mund verborgen zu halten. Und der Untersetzer schützt vor dem Verbrennen der Hand.

Bei der Teekanne aus purpurrotem, sandigem Ton handelt es sich speziell um eine aus sandig-toniger Erde von Yixing gewonnene Keramik. Beim Brennen entsteht die purpurrote Farbe. Es gibt auch andere Farben, z.B. Gelb, Rot..., sie sind aber rar. Das zufällige Erfinden dieses Produkts vor 400 Jahren hat der chinesischen Teekunst fast eine Revolution gebracht. Eine über lange Zeit benutzte Teekanne aus purpurroter Boccaro-Keramik ist immer sehr begehrt bei Teeliebhabern. Wie ist diese hohe Wertschätzung zu erklären? Zum einen ist diese Keramik besonders geeignet für die Entfaltung des Teearomas, vor allem die des fermentierten Tees. Diese Keramikerde absorbiert den Duft und kann den Tee länger frisch halten. Eine über lange Zeit benutzte Kanne duftet daher von sich aus. Zum anderen entspricht diese Keramik dem wieder erwachten Wunsch nach alter daoistischer Schlichtheit und Natürlichkeit. Eine sich mild anfühlende Kanne bereitet dem Benutzer ein sinnliches Wohlgefühl. Im Gegensatz dazu fühlt sich Porzellan hart an. Viele Literaten, Künstler und Mönche arbeiten leidenschaftlich bei ihrer Herstellung zusammen. Z.B. diese hier (siehe Foto unten) ist ein reines Kunstwerk, von einem Teekannen-Meister und einem anderen Künstler zusammen bearbeitet. Es stehen hier die Name dieser beiden. Hier ist der Satz zu lesen: Qing yi ya qu jin zai qi zhong, was auf deutsch bedeutet: Alle Ruhe und aller Genuss befinden sich hier.








Vier Fotos aus dem Atelier eines Teekannen-Meisters in Yixing (Fotos: Zheng/Goebel 2007)




Zwei Teekannen nach dem Stil des ersten Teekannen-Meister Gongchun aus der Ming-Dynastie





Die berühmte 18 Stile-Gestalt von Chen Mansheng (Mansheng Hu) aus Hangzhou, ein bekannter Literat und Künstler aus der Qing-Dynastie


Die Verwendung des Glasgeschirrs in der Chinesischen Teezeremonie erscheint vielleicht ungewöhnlich für viele Ausländer. Eigentlich ist das gar nicht neu in der Chinesischen Teekultur. Es war zunächst lange Zeit fremd in China, aber spätestens in der Tang-Dynastie wurde es sehr geschätzt. Diese schöne Teeschale mit Untersetzer (siehe Foto unten) stammt aus dieser Zeit und wurde, wie Fachleute feststellten, in China selbst herstellt. Schon seit 100 Jahren sind Gläser in China, zumindest in der Region Zhejiang, bei der Teezeremonie mit grünem und weißem Tee besonders beliebt, weil das Spiel der Teeblätter und ihre Farbe am besten zu beobachten ist. Damit ist der Betrachter der Natur noch näher. Das ist ein gutes Beispiel der Chinesischen Kultur, die immer offen und dynamisch gewesen ist. Sie hat immer gerne andere Kulturen von sich lernen lassen und hat gerne selbst von anderen Kulturen gelernt.