Chinesischer Tee – Gesundheitliche Aspekte

Die Teepflanze Camellia sinensis ist in China seit mindestens 4.000 Jahren als Heilmittel, insbesondere zur Entgiftung des Körpers, bekannt. Darüber hinaus lernten spirituell lebende Menschen schon früh die physiologischen Wirkungen des Tees zu schätzen: einen Zustand erhöhten Gewahrseins, eine innere Gelöstheit und Klarheit und eine sanft gehobene Stimmung.

Seit etwa 1650 taucht die Teepflanze nach ihrer erstmaligen Einführung in Europa in europäischen Apothekerverordnungen auf: Dabei ist vor allem die Stärkung der Lebenskraft, des Gedächtnisses und der Seele durch Teegenuss dokumentiert.

Der aktuelle Stand der Forschung in 2012 weist auf die verschiedenen gesundheitsfördernden Wirkungen des Tees hin, mit Vorbeugung gegen:

  • Arteriosklerose - Herzinfarkt

  • Krebs

  • Karies

  • Infektionen

  • Multiple Sklerose

  • Alzheimer Demenz

  • Hauterkrankungen

  • Beschleunigtes Altern

Ein wesentliches, wenn nicht das größte gesundheitliche Problem der modernen Zivilisation ist sicherlich der oxidative Stress im Organismus. Hierzu gehören insbesondere Zeitstress, Arbeitsstress, Mobbing, falsche Ernährung, Alkohol, Rauchen, Extremsport und erhöhte UV-Strahlung. Die genannten Einflussfaktoren begünstigen erhöhte Konzentrationen von ROS (= reactiv oxygen species, „freie Sauerstoff-Radikale“) im Organismus, die zu nachhaltigen Zell-Schädigungen bis hin zur Entartung von Zellen führen können.

Daher ist es ratsam, in geeigneter Weise antioxidative Prozesse im Körper zu fördern. Ein Lösungsansatz ist die Zufuhr von Lebensmitteln mit starker antioxidativer Wirkung, die in der Lage sind, die ROS abzufangen. Starke Antioxidantien sind z.B. die Vitamine A, C, E und Spurenelemente wie Selen u.a. Reich an Antioxidantien sind vor allem Trauben (incl. Rotwein), Äpfel, Knoblauch, Zwiebeln, Oliven (Olivenöl), Kakao und Tee. Die antioxidativ wirksamen Bestandteile sind hier vor allem die Polyphenole.

Das Teetrinken kann wahrscheinlich schon ab einer täglichen Menge von 0,5 bis 1 Liter  in hohem Maße antioxidativ wirksame Beiträge zur Gesundheit liefern. Als wichtigste, antioxidativ wirksame Tee-Inhaltsstoffe sind die Catechine und Flavonoide zu nennen. Während im unfermentierten Grünen und Weißen Tee die farblosen, niedermolekularen Catechine höhere Mengenanteile erreichen, sind in den fermentierten Teesorten bis hin zum Schwarzen Tee zunehmend die gelb-, rot- und braun gefärbten, höhermolekularen Theaflavine und Thearubigine anzutreffen. Alle genannten Stoffe zählen zu den Polyphenolen und haben eine hohe antioxidative Wirkung. Die meisten bislang bekannten und untersuchten Wirkungen werden allgemein dem nur im Grünen und Weißen Tee in höherer Menge enthaltenen EGCG (= Epi-Gallo-Catechin-Gallat) zugeschrieben.

Es existieren bislang schon eine Fülle von Studien zur Wirksamkeit von Tee-Polyphenolen im Zusammenhang mit den häufigen Zivilisationskrankheiten. Es handelt sich jedoch meistens um In-vitro-(Labor-)Studien. In-vivo-Studien (an Mensch und Tier) liegen noch nicht in ausreichender Menge und Aussagekraft vor, um als klare, wissenschaftlich gesicherte Nachweise gelten zu können. Trotzdem geben auch die In-vivo-Studien (Beispiele siehe ) deutliche Hinweise für die gesundheitliche Wirksamkeit des Tees. Gleichwohl gibt es hier noch viel Forschungsbedarf und es werden zurzeit auch intensive Forschungen betrieben, die in den kommenden Jahren weitere erhellende Ergebnisse liefern werden.

Die unten aufgelisteten gesundheitsfördernden Wirkungen des Tees sind nicht so zu verstehen, dass es sich beim Tee um ein absolutes Heilmittel gegen die genannten Krankheiten handeln würde. Vielmehr weisen sie in erster Linie auf unterstützende und vorbeugende Heilwirkungen des Tees hin, insbesondere bevor schwere Krankheitsstadien aufgetreten sind.

Hier nun zusammenfassend die wichtigsten medizinisch relevanten Wirkungen der Tee-Polyphenole (mit einigen ausgewählten Literaturangaben):

Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen: Oxidationsschutz von LDL-(Low Density Lipoprotein-)Cholesterin, Hemmung von Plaque (Verkalkung) bildenden Enzymen ( )
Prävention und Hemmung von Tumoren: Hemmung cancerogenaktivierender Enzyme, Abfangen reaktiver Zwischenstufen cancerogener Substanzen, Hemmung der Nitrosierung, Stärkung der körperlichen Reparaturmechanismen ( )
Kariesschutz: Förderung der Remineralisierung des Zahnschmelzes, Hemmung der Aktivität säurebildender Mundbakterien, Reduktion des Stärkeabbaus von Nahrungsresten im Mund ( )
Hemmung und Prävention von Infektionen: Antimikrobielle und antivirale Wirkung der Catechine, Wachstumshemmung von Bakterien und Viren ( )
Behandlung von MS (Multiple Sklerose): Schutz von Nervenzellen vor fehlgeleitetem Immunsystem ( )
Prävention von Alzheimer Demenz u.ä.: Verbesserung des Acetylcholin-Status (Neurotransmitter) im Gehirn ( )
Prävention von Hauterkrankungen: Schutz gegen UV-Strahlung, Antioxidatives Abfangen freier Radikale in der Haut ( )
Prävention des beschleunigten Alterns: Steigerung der antioxidativen Abwehrsysteme des Körpers ( )

 

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