Teekultur

(Tee-Geschichte, Tee-Meister, Teemotive in den literarischen Werken und Kunstwerken)

Die erste Tee-Tradition war die Nutzung als Heilmittel, seit der Entdeckung von Shen Nong, des chinesischen Schutzpatrons des Ackerbaus vor 5000 Jahren. Einige Zeit wurden die Teeblätter wie Nahrungsmittel gegessen. Diese Tradition ist bis heute noch beliebt bei einigen Völkern in China.

Fest steht, dass Tee als Getränk zu genießen erst in der Westlichen Han-Dynastie (206 v.Chr.—24 n.Chr.) Anwendung fand. Seitdem gibt es Tee-Anbau und –Handel. Während der Südlichen und Nördlichen Dynastien (420-589) erlebte der Buddhismus in China eine Blütezeit. Beim Meditieren tranken die Mönche Tee, um sich wach zu halten. Um den steigenden Bedarf an Tee zu decken, begannen die Klöster damit, Tee anzupflanzen. Da viele Klöster in den heiligen und berühmten Bergen liegen, waren die Bedingungen optimal für den Teeanbau. Von dort kommen bis heute die bekanntesten und besten Tees.

Seit der Tang-Dynastie (618-907) ist das Teetrinken auch mehr und mehr im Volk verbreitet. Der Teeanbau und der Handel florierten. Die besten Tees wurden als „Tribut-Tee“ an den Kaiserhof geliefert. In der Geschichte der chinesischen Gelehrten hat der Tee teilweise den Wein als Lieblingsgetränk abgelöst, er führt im Gegensatz zum Wein zu einem klaren Kopf und zu klarem Denken. Mönche und Gelehrte trafen sich oft zum Teetrinken, um zugleich zu diskutieren, zu dichten, Musik zu spielen, zu malen und die Natur zu bewundern. Man schrieb Lobgedichte auf den Tee und wählte ihn als Motiv für Literarische und -Kunstwerke. Einigen beschäftigten sich leidenschaftlich damit und sind sogar Tee-Meister geworden. Einer von ihnen war in der Tang-Zeit Lu Yu, der als „Teeheiliger“ angesehen wird.

Das ist die Lu Yu Statue im Staatlichen Teemuseum in Hangzhou. Daneben steht ein Windofen mit Kessel, ein typisches Teegerät in seiner Zeit. Damals wurde zur Zubereitung der Tee in siedendem Wasser gekocht. Solche Geräte werden noch heute bei Teezeremonien in Japan benutzt. Lu Yu hat das erste Teebuch „Cha Jing“ in China und in der Welt überhaupt geschrieben. Das Buch ist keine gewöhnliche „Teekunde“, sondern eine gelungene Verbindung von Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und menschlichem Zusammenleben. Außerdem ist es von hohem literarischen Wert. Es betrachtet die Teezubereitung und das Teetrinken als einen künstlerischen Prozess und beschreibt diesen von der Trocknung der Blätter über die Wasser- und Geschirrwahl bis hin zur Kostprobe. Zum ersten Mal bezog Lu Yu das Denken und den Geist in die Abläufe des Teekochens und –trinkens ein. Nach Lu Yu sollte ein Teeliebhaber gute Tugenden und einen edlen Geist wie der Tee haben.

Dieser Teil des folgenden Bilds von Zhao Yuan aus der Yuan Dynastie zeigt Lu Yu beim Teekochen:


Lu Yu beim Teekochen (Teil) –Zhao Yuan (Yuan-Ming Dynastie)

In der Song-Dynastie (960-1279) erlebte die Tee-Kultur eine Hochblüte. Sie entwickelte sich in zwei Richtungen entscheidend weiter: die eine der herrschenden Klasse der Kaiser und Adligen (Guizu Chadao) und die andere im Volk mit seinen Gelehrten (Yashi Chadao). Ein Repräsentant von Guizu Chadao ist Kaiser Huizong von der Nördlichen Song-Dynastie (960-1127). Dies ist sein Selbstbildnis:

 

Er war ein schwacher Herrscher, doch ein hervorragender Künstler, der sich in Poesie, Musik und Kalligraphie auskannte. Seine Vorliebe galt der Teekunst, für die hatte er sogar eine Monographie, „Da Guan Cha Lun“ geschrieben. Das unten folgende Bild ist das von ihm gemalte „Wen Hui Tu“ (Zusammentreffen von Intellektuellen), in dem wir ihn zusammen mit seinen Ministern beim Teetrinken, Dichten, Musik spielen und Schönschreiben sehen. Dieses Bild, das Gedichte und Kalligraphie und eine Teeszene in sich vereint, ist ein Werk von hohem künstlerischem Niveau.

Es gab oft Teewettbewerbe (Dou Cha). Die Sieger fühlten sich wie Götter, die Verlierer empfanden Schmach und Schande:

Die Teekunst orientierte sich zwar allgemein noch an der Tang-Dynastie, ging aber viel weiter: Als Tribut-Tee wurden zusammengepresste, kleine Teebriketts mit Drachen– und Phönixmotiven geformt:

Zur Zubereitung wurde der Tee wie früher aus sehr feinem Pulver gemahlen. Aber man kochte das Teepulver nicht mehr, sondern goss kochendes Wasser darüber, wobei man ständig mit einem Stab umrührte, um einen lang anhaltenden Schaum zu bekommen. Der Schaum sollte wie eine weiße Wolke über der Schale schweben. Zur Farbabstimmung musste die Schale eine dunkle Farbe haben. Am beliebtesten war schwarzes Porzellan:




Dieses berühmte Bild (siehe oben) von Tee-Meister Shen An Laoren
zeigt das typische Teegeschirr. Es wurde so geschätzt, dass jedes Geschirr einen eigenen persönlichen Namen erhielt, und dazu eine Lobprosa. Z.B.: „Hu Yuanwai“ (胡员外), „Zhu Fushuai“ (竺副帅).

 
Dieses Bild von Liu Songnian zeigt sehr deutlich die damalige Teekunst (Tee mahlen, Wasser giessen). Solche Methoden zur Zubereitung und das zugehörige Teegeschirr können wir noch in der heutigen japanischen Teezeremonie sehen, die hauptsächlich aus dem China vor 1000 Jahren stammt und sich bis heute formal nicht viel verändert hat. Doch wie ihre ganze traditionelle Kultur hat sie sich später mit dem Samurai-Geist vermischt und weiter entwickelt (daher ist die typische Japanische Teezeremonie eher kühl und distanziert, die Chinesische hingegen warm und fröhlich.)

Sowohl die kleinen Drachenbriketts als auch manche Tee-Wettbewerbe waren nach Ansicht mancher Leute zu verkünstelt und ein Missbrauch der Teeanbauer. Sie hatten mit dem von Lu Yu gewünschten Geist der Teekultur als Naturlichkeit und Schlichtheit herzlich wenig zu tun und wurden von vielen Literaten stark kritisiert. Im Volk war das Teetrinken mancherorts schon so weit verbreitet wie Wasser. Die Literaten legten mehr Wert auf das Milieu des Teetrinkens. Sie, wie Su Shi, Li Qingzhao und Lu You, liebten das Teetrinken über alles und haben viele Gedichte darüber geschrieben. Su Shi oder Su Dongpo (1036-1101) aus der Song-Dynastie zählte zu der größten Literaten in der ganzen chinesischen Kulturgeschichte. Neben seiner wichtigen Rolle als Dichter war er Meister der Kalligrafíe, der Malerei und auch des Tees. Von ihm erzählt man sich, dass er im Mondschein Wasser aus dem Fluss schöpfte und beim Läuten der Klosterglocken im Freien Tee kochte. Nur auf diese Weise, so meinte er, könnte man den im Tee enthaltenen „natürlichen Rhythmus“ fühlen, siehe folgendes Bild:


Dongpo beim Teekochen

Hier ist ein Beispiel von Su Dongpo´s Werken:


„Ein guter Tee ist wie eine gute Frau“- eine der bekanntesten Tee-Sätze

Der heute verbreitete lose Tee existierte schon von Anfang an, wurde aber erst seit der  Ming-Dynastie (1368-1644) populär, dank der rücksichtsvollen Entscheidung des gründenden Kaisers Zhu Yuanzhang. Er hatte Mitgefühl mit der harten Arbeit der Tee-Anbauer und erlaubte den losen Tee als Tribut-Tee. So fing in der Chinesischen Teekultur eine neue Etappe an. Die Literaten bezogen sich noch stärker auf den Tee. Die folgenden Bilder von verschiedenen Meistern zeigen Szenen von Literaten beim Teetrinken, die alle natürliche Landschaften mit Wasser und Bergen als Hintergrund haben.

       
Cooking Tea & Washing Inkslab Picture                                           Tasting Tea Picture Part
-- Qian Huian /Ming Dynatry                                                            --Wen Zhengming /Ming Dynastry


Talking about a picture by pines and river—Qiu Ying /Ming Dynastry




Das folgende Bild „Teekochen von Wang Wen (Ming-Dynastie)“ zeigt das typische Alltagsleben der Intellektuellen, für die das Teetrinken absolut rituell ist:



Boiling Tea Picture (Part) – Wang Wen (Ming Dynastry)

Seit dem Opium-Krieg von 1840 hat China in hohem Maße an zahlreichen aussen- und innenpolitischen Turbulenzen gelitten, so wie auch der Chinesische Tee und die Chinesische Teekultur. Gerade in diesem Zeitraum erfolgte die Öffnung Japans nach außen in die Weltgemeinschaft und dabei hat sich die Japanische Kultur als die „Ostasiatische Kultur“ präsentiert. Deshalb kennen die Leute im Westen bis heute fast nur die Japanische Teekunst, aber kaum die ältere und reichhaltigere Chinesische Teekultur. Erst seit den 1990er Jahren sind im Rahmen einer relativ ruhigen politischen Lage, eines wirtschaftlichen Aufblühens und eines wacheren Bewusstsein für die eigene Kultur der Tee und die Teekultur in China wieder auferstanden. Seit dieser Zeit werden immer mehr Tee-Häuser eröffnet. In einigen Städten mit tiefer traditioneller Teekultur wie z.B. Hangzhou und Ningbo treffen sich immer mehr Menschen zum Teetrinken, oft gleichzeitig um zu dichten, zu schreiben, zu malen, zu musizieren... Beispielsweise wurde in 1998 ein grosser Roman mit drei Bänden von Wang Xufeng über die Geschichte einer Tee-Familie in den vergangenen zweihundert Jahren veröffenlicht. Er kann wie ein Spiegel der Geschichte der Chinesischen Teekultur betrachtet werden und wurde als einer der besten chinesischen zeitgenössischen Romane ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde in 2003 in Ningbo der Verein der Förderung der Chinesischen Teekultur gegründet. Die Mitarbeiter dieses Vereins engagieren sich leidenschaftlich, aber ehrenamtlich, um die chinesische sowie die örtliche Teekultur zu fördern, und auch um sich mit anderen auszutauschen. Dank diesem Verein findet seitdem alle zwei Jahren das Internationale Tee-Fest in Ningbo statt.

Einige Kunstwerke von modernen und zeitgenössischen Künstlern:


Wu Changshuo (1844-1927)


Qi Baishi (1864-1957)


Feng Zikai (1898-1975)

                  
Wu Changshuo (1844-1927)                              Qi Gong (1912-2005)     
            


verschiedene Künstler, aus dem Kunst-Institut für Teekultur in Ningbo