Chinesischer Tee – Lebensraum, Ökologie, Anbau

Die Teepflanze Camellia sinensis wächst ursprünglich im südöstlichen Asien zwischen China und Nordostindien. In den tropischen Landesteilen kommen u.a. die meist baumförmige Varietät assamica (Südchina und Hinterindien) und die Varietät  dehungensis (Provinz Yunnan, auch „Qingmao“ genannt) vor. In den subtropischen Landesteilen Chinas sind meist strauchförmige Sippen anzutreffen, so v.a. die infolge Kultivierung sehr weit verbreitete Varietät sinensis und die in Südostchina vorkommende Varietät pubilimba (mit unterseits stark behaarten Blättern). Im weltweiten Anbau werden zunehmend Kulturhybriden verwendet.

Das ökologische Optimum der chinesischen Teepflanze lässt sich wie folgt skizzieren:

  • Warmfeuchtes, subtropisches Monsun-Klima mit feuchten, heißen Sommern und relativ trockenen, kühlen Wintern, geringe bis mäßige tägliche und saisonale Temperaturschwankungen, höchstens geringer bis mäßiger Frost, meist >1.000mm Jahresniederschlag mit vorwiegend Sommerregen

  • Standorte mit sandig-lehmigen, sauren, ausreichend durchfeuchteten, aber nicht vernässten Böden, meist etwas absonnige bis leicht beschattete Lagen mit insgesamt zwar hoher, aber nicht lang andauernder Sonneneinstrahlung gemäß den natürlichen Vorkommen von Camellia sinensis im Unterholz lichter subtropischer und tropischer Wälder

Aus vorwiegend klimatischen Gründen konzentrieren sich die Teeanbaugebiete daher südlich des Yangtse. Es gibt zahlreiche Volksgebräuche und daher auch viele verschiedene Teesorten und Zubereitungsarten. Das macht die reichhaltige chinesische Teekultur aus. Die 7 wichtigsten chinesischen Teesorten sind:

  • Grüner Tee (Produktion schwerpunktmäßig im südlichen Ostchina und Zentralchina, v.a. Zhejiang, Jiangsu, Anhui und Jianxi, z.B. Xihu Lungching, Pubu Xianmin, Reine Freude-Buddha-Tee)

  • Weißer Tee (Produktion schwerpunktmäßig im südlichen Ostchina und Südostchina, v.a. Fujian, z.B. Ningbo Schneeweißer Tee, Baihao Yinzhen)

  • Gelber Tee (Produktion schwerpunktmäßig im südlichen Zentral- und Ostchina, aber relativ selten, z.B. Junshan Yinzhen)

  • Oolong-Tee (Produktion schwerpunktmäßig in Süd- und Südostchina, v.a. Fujian, Guangdong und Taiwan, z.B. Tieguanyin, Ginseng Oolong, Dongding Oolong)

  • Schwarzer Tee (Produktion schwerpunktmäßig im südlichen Zentral- und Südwestchina, v.a. Anhui, Yunnan, z.B. Yimeng Gongfu)

  • Dunkler Tee (Produktion schwerpunktmäßig im südlichen Zentralchina und Südwestchina, v.a. Yunnan, Hunan, Hubei, Sichuan und Guangxi, z.B.Yunnan Pu-Er)

  • Aromatisierter Tee (Grüner Tee aromatisiert mit verschiedenen Blüten-Düften, schwerpunktmäßig im südlichen Ostchina und Südostchina, v.a. Jiangsu und Fujian, z.B. Jasmin-Tee, Osmanthus-Tee)

Jede Teesorte hat ihre entsprechende Zubereitung. Jede Sorte gliedert sich noch einmal in viele verschiedene Untersorten. Alle bekannten Teesorten erhalten bei ihrer Verarbeitung ihre eigene Teeblätterform, einen schönen Namen und eine romantische Geschichte, z.B. Xihu Lungching. „Xihu“ ist der Name des Sees, die kennzeichnende Landschaft des Herkunftsortes Hangzhou. „Lungching“ ist sowohl der Name der Sorte als auch des gleichnamigen Dorfs, was „Drachenbrunnen“ auf Deutsch heißt. Anxi Tieguanyin: „Anxi“ ist der Name des Herkunftsortes, „Guanyin“ ist der Name der Sorte und leitet sich vom einzigen weiblichen chinesischen Buddha her. Pubu Xianmin stammt aus der Region Ningbo, „Pubu“ heisst auf Deutsch „Wasserfall“, die kennzeichnende Landschaft des Herkunftsortes Yuyao. „Xianmin“ bedeutet „Tee der Unsterblichen“, aus einer taoistischen Geschichte: Noch in der Han-Dynastie (vor ca. 2000 Jahren) lebte dort ein taoistisches Ehepaar. Sie tranken immer Tee bei ihrer Meditation. Eines Tages verwandelten sich die beiden in Unsterbliche und schwebten über eine Brücke in den Himmel.

In der Tee-Züchtung hat man früher meist reine Sorten verwendet, in heutiger Zeit  jedoch zunehmend auch Hybridsorten. Während die Teepflanzen früher meist über Samen vermehrt wurden, geschieht dies heute in der Regel über Stecklinge und Baumschulanzucht. Dies steht im Zusammenhang mit der Nutzungsintensivierung, die auch das Alter der kultivierten Teepflanze von früher bis >100 Jahre auf heute z.T. nur noch ca. 25 Jahre reduziert hat.


Typische traditionelle Teeanbauflächen bei Hangzhou, Provinz Zhejiang (Xihu Longching – Drachenbrunnen-Tee): Kleinparzellierte, gut in die Landschaft eingegliederte Teegärten, schmale Saumpfade, kaum Fahrwege, daher Handarbeit und wenig bis kein Pestizideinsatz, zunehmender ökologischer Anbau (Foto: Zheng/Goebel 2007)

Die Pflückreife wird in heutiger Zeit meist schon nach 2-5 Jahren erreicht. Bei der Ernte des Grünen und Weißen Tees werden nur die kleinen Spitzentriebe gepflückt („one leave and a bud“), bei den halb- bis vollfermentierten Sorten werden auch größere Blätter mit verwendet. Die Tee-Ernte beginnt in Ost-China ab ca. Mitte März (erste zwei Pflückungen = höchste Qualität), danach kommen meist 4-8 (-15) weitere Pflückungen bis zum Herbst. Je langsamer die Teepflanze wächst, das heißt je kürzer die Vegetationsperiode bzw. je niedriger die Mitteltemperaturen sind, umso besser ist grundsätzlich die Qualität. Daher lassen sich in Gebirgslagen meist höhere Tee-Qualitäten produzieren.




Verarbeitung des Grünen Tees „Pubu Xianmin“, oberes Foto: frisch gepflückte grüne Teeblätter, unteres Foto: graugrüne Teeblätter nach der Röstung mit Fermentationsstopp (Fotos: Zheng/Goebel 2007)

Beim Grünen und Weißen Tee (aus Zhejiang) erfolgt kurz nach der Ernte ein Fermentationsstopp durch Röstung und Trocknung. Der Weiße Tee (aus Fujian), der Gelbe Tee und der Oolong-Tee werden einer teilweisen Fermentation unterzogen, wohingegen der Schwarze Tee vollfermentiert wird. Der in Yunnan hergestellte Dunkle Tee (Pu Erh) ist ein Sonderfall: Traditionell wird hier eine langsame Fermentation in zunächst feuchtem Milieu ermöglicht. Jüngere Pu Erh-Tees sind noch grünlich, während die älteren, z.T. über 10 Jahre gereiften Pu Erh-Tees tiefdunkel geworden sind.

 
Qian Zheng & ihr Ehemann im Yunnan Pu-Erh Teehaus in Ningbo, Provinz Zhejiang (Foto: Zheng/Goebel 2007)


Tee-Ernte am Frühjahrsmorgen im ökologischen Teeanbau bei Ningbo, Provinz  Zhejiang, Anbaugebiet des „Reine-Freude-Buddha-Tees“ (Foto: Zheng/Goebel 2009)

Zunehmend wird in den chinesischen Mittelgebirgslagen auf meist kleinen, auf hohe Qualität ausgerichteten Teeanbauflächen nach den Grundsätzen der ökologischen Produktion gehandelt: Die Anbauflächen werden harmonisch in die Landschaft eingebunden, es werden naturnahe Gehölzstreifen belassen und ggf. angepflanzt, wodurch ein kleinräumiges Lebensraummosaik gefördert wird, auf Pestizid- und Chemikalieneinsatz wird verzichtet und es werden nur wenige Pflückungen im März/April durchgeführt. Die Nutzungsintensität ist daher nur gering bis mäßig und es können beträchtliche Ernteverluste (etwa 10-20%) durch Insektenfraß u.a. toleriert werden.

Diese Anbauweise begünstigt ein kleinräumiges, naturnahes Lebensraummosaik mit einer hohen Biodiversität und einer effizienten Regulation von potentiellen Schadinsekten wie Teeblattlaus u. Teewanze durch Förderung von Raubinsekten wie Raubmilben, Schwebfliegenlarven, Florfliegen oder parasitoiden Arten wie Hautflüglern, Raupenfliegen, Schlupfwespen u.a.

Ökologischer Teeanbau mit kleinräumigem, naturnahem Lebensraummosaik und hoher Biodiversität bei Hangzhou, Provinz Zhejiang (Foto: Zheng/Goebel 2007)